900 samma - Fahnen in allen Ortsteilen gehisst

„Bierfilze haben sie und obwohl sie null komma nichts getrunken haben, haben nicht nur die Hahnbacher doch schon eine Fahne!“ Ja, was für eine verrückte Zeit! Doch Bürgermeister, Festspielleiter und Heimatpflegerin lassen sich „mit Pfleiß“ nicht entmutigen. Schon haben sie in der ganzen „Gmoi“ beflaggt. Die Jubiläumsfahne wurde natürlich zuerst am Rathaus gehisst, dann auch beim ehemaligen Kloster und schließlich auch auf dem Frohnberg.

Selbstverständlich wurden auch die Ortsteile Mimbach, Mausdorf und der Mausberg bedacht, auch Godlricht, Ursulapoppenricht, der Laubberg und der Laubhof sowie Höhengau, Kötzersricht und Kümmersbuch. Jubiläumsfahnen flattern auch in der Wüstenau und der Wüstenaumühle, in Pickenricht, Dürnsricht, Iber und Luppersicht. Selbst auf dem Kreuzberg verkündet eine Fahne das Jubiläum, ebenso in Mülles, Ölhof, Ober- und Unterschalkenbach, Adlholz, Schalkenthan, Süß. Irlbach, Kienlohe und in Frohnhof.

Unter dem Motto „900 samma“ sollte 2021 das große Jubiläumsjahr Hahnbachs werden. Schließlich wurde 1121 der Name Hahnbach erstmal nachweislich in einer Urkunde genannt. Am 6.November dieses Jahres unterzeichnete diese ein Erchenbertus de Hanbach, was allerdings in-, für- oder aus Hahnbach bedeuten kann.

Jener unterzeichnende Ministeriale, der dem später heiliggesprochenen Bamberger Bischof Otto, unterstand, war wohl auf dem Frohnberg zuhause. Allerdings ist die genaue Art der Befestigungsanlage nicht mehr nachweisbar. Eine regelrechte Burg, wie man sie aus Ritterfilmen kennt, ist wohl eine etwas zu üppige Vorstellung. Wahrscheinlich bewohnte man dort nur einen größeren Wohnturm.

Was war das damals für eine Zeit? Kurz gesagt: die der Ritter und des Minnegesangs, der Orts- und Ordensgründungen, des Bevölkerungswachstum dank mancher Neuerungen, die primär der Landwirtschaft zugutekamen, wie das Hufeisen, der Dreschflegel, der Räderpflug oder das Kummet. Aber noch immer gab es Hungersnöte, räuberische Überfälle und immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen, denen die Bevölkerung im wahrsten Sinn ausgeliefert war.

Auch war es damals nicht unüblich ganze Gebiete hin und her zu verschachern. Aber langsam, doch sicher, verloren jene Lehnsherren, Könige, Grafen und damit natürlich auch ihre Ministerialen an Macht und Einfluss. Die Burgen auf den Höhen wurden zunehmend bedeutungslos und die befestigten Orte, die man übrigens auch als Burgen, was ja von dem Wort „bergen“, also „schützen“ stammt, bezeichnete, gewannen an Einwohner und Einfluss, nicht zuletzt dank ihrer Märkte, also ihrer Wirtschaftskraft. Und Hahnbach begann langsam seine Form anzunehmen und schützte sich mit einer zunehmend stärkeren Mauer, festen Toren und einem Marktgraben.

Parallel dazu wuchsen aber auch die Macht der Kirche und die des Papstes. Papst Urban II. rief 1096 im mittelfranzösichen Clermont-Ferrand zu Kreuzzügen ins Heilige Land auf. Daraufhin zogen Tausende Mitteleuropäer los, um Jerusalem aus der Hand der moslemischen „Sarazenen“ zu befreien. Heute weiß man, dass die Motivation für diesen Bußgang und Kriegszug in Einem bekanntlich nicht nur religiös war, sondern sehr wohl auch von strategischer und wirtschaftlicher Natur.

Auch Hahnbach spielte hier eine Rolle, allerdings mehr indirekt. Denn in die Zeit der Vorbereitung seines zweiten Kreuzzugs kam Kaiser Friedrich I., der wegen seines roten Barts „Barbarossa“ genannt wurde und seit 1152 regierte, im Winter 1188 / 1189 nach Hahnbach. Für einige Zeit war damit Hahnbach sogar „Mittelpunkt der Heiligen Römischen Reichs“. Jener Kaiser, der als einziger zweimal einen Kreuzzug unternahm, unterschrieb hier nachweislich Urkunden, unter anderem für das Kloster Berchtesgaden.

Was war geschehen? Der mächtige Graf Gebhardt II. von Sulzbach war am 28. Oktober 1188 gestorben. Er hinterließ keine männlichen Erben, denn sein einziger Sohn kam 1167 bei einem Feldzug vor Mailand ums Leben. Gebhardts Tochter Adelheid trat nach dem Tod des Vaters im gleichen Jahr noch das große Lehensgebiet, welches für Barbarossa von überregionaler Bedeutung war, an ihn, den Staufer ab. Jener hatte bereits 1174 mit Bischof Hermann von Bamberg - in wahrscheinlich geheimen Verhandlungen - einen Vertrag geschlossen. Darin war abgemacht worden, dass sein Sohn Otto über die Vogteirechte der Sulzbacher Grafen und damit auch über Hahnbach verfügen solle.

Um diesen seinen Anspruch auch durchzusetzen, zog Barbarossa 1188 deshalb eiligst nach Hanninbach, wie man Hahnbach damals auch schrieb, um hier demonstrativ seine Macht zu zeigen. Eine von ihm unterschriebene Urkunde, die im Hauptstaatsarchiv in München noch im Original erhalten ist, ist auf den 17. Januar 1189 datiert. Höchstwahrscheinlich erfolgte die Beurkundung auf dem Frohnberg, welcher damals mit jenen Ministerialen als „herausragende Gefolgsleute“ ein „bedeutender Verwaltungsmittelpunkt“ der Sulzbacher Grafen war.

Die Gefahr, dass die Hahnbacher nun auch „das Kreuz nehmen“ müssen, war damit sehr wohl gegeben, zumal sie unter Graf Gebhard davon verschont geblieben waren. Doch „ging dieser Kelch an ihnen vorbei“. Barbarossa zog mit seinen vielleicht 2 000 Mannen ohne sie weiter zuerst in Richtung Hersbruck, dann nach Regensburg, um dann mit den bereits aufgestellten 15 000 Mann über die Alpen bis nach Kleinasien, in die heutige Türkei zu marschieren. Doch schon bald nach der Eroberung des zentral gelegenen Konya und vor seiner Weiterreise in Richtung Kappadokien, starb dieser am 10. Juni 1190 am Ufer oder im Fluss Saleph, dem heutigen Göksu, bei Silifke in Ostanatolien.

Nach der Annullierung seiner kinderlosen Ehe mit Adela von Vohberg, einer Diepoldingerin, „wegen zu naher Verwandtschaft“ war Barbarossa mit Beatrix von Burgund verheiratet. Er hatte mit ihr acht Buben und drei Mädchen, bevor sie 1184 in Speyer starb. Nicht uninteressant ist auch, dass der Kaiser nachweislich mit der Heiligen Hildegard von Bingen in „fruchtbaren Briefwechsel“ stand. Er war es auch, der am 23. Juli 1164 die angeblichen Gebeine der Heiligen Drei Könige in Mailand raubte, um sie in den Kölner Dom zu bringen, wo man vom Massenansturm der Pilger nachhaltig profitierte.

Nachdem Barbarossa tot war (sein Grab gilt als verschollen), kam Richard Löwenherz, der damalige König von England, dem Heer mit seiner Verstärkung zu Hilfe. Er rückeroberte die Kreuzfahrerfestung Akkon und errang auch Teilsiege in Palästina. Schließlich vereinbarte er mit dem gegnerischen Sultan Saladin, Pilgern wieder Zutritt nach Jerusalem zu erlauben, bevor er selber als Pilger verkleidet den Rückweg über Land antrat. In der Nähe von Wien wurde er von Herzog Leopold V. auf Burg Dürnstein gefangengesetzt, dann an Kaiser Heinrich VI. ausgeliefert und erst für die gewaltige Summe von einen Gegenwert von ca. 35 Tonnen Silber wieder freigelassen.

Die Fahne weht!

Wohnturm auf dem Frohnberg.

Auszug aus der Urkunde.

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