Hahnbacher Pfarrarchiv – das Novum im Landkreis nimmt seine Arbeit auf

Das Hobby Familienforschung ist nicht neu. Das Forscherfieber erfasst immer mehr Menschen. Die deutsche Gründlichkeit ist hierbei eine große Hilfe. Früher wie heute haben die Pfarrer einer Gemeinde sehr viel aufgeschrieben und dokumentiert. „Die Pfarrer haben Personendaten wie z.B. das Geburts- und Taufdatum in so genannten Kirchenbüchern akribisch erfasst. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sind diese Schriften für jeden zugänglich.

Konkret für das Pfarrgebiet Hahnbach gibt es seit dem Jahr 1572 Aufzeichnungen über Taufen, Eheschließungen und Beerdigungen“, erzählt Andreas Sichelstiel, seit Jahren engagierter Familienforscher aus Irlbach bei Hahnbach. Diese Unterlagen sind für Familienforscher unerlässlich, um die eigene Geschichte zu rekonstruieren. Das Umständliche sei nur, dass diese Aufzeichnungen bis jetzt nur im Bischöflichen Zentralarchiv Regensburg einzusehen seien, so Sichelstiel. Ein weiter, zeitintensiver Weg.

In Zukunft können sich einige Familienforscher diesen Weg sparen. Denn es ist möglich, dass eine Pfarrei ihre „eigenen“ Kirchenbücher auch vor Ort für alle einsehbar machen kann. Und dies ist in Hahnbach nun passiert. Andreas Sichelstiel, Ortsheimatpfleger Ludwig Graf und Pfarrer Dr. Christian Schulz haben sich spezielle Abbildungen von den originalen Seiten aus Regensburg beschafft, die so genannten Microfiches: Jede einzelne Kirchenbuchseite ist dabei in Miniformat auf eine Spezialfolie gebrannt.

Nun hat sich Hahnbach obendrein sein eigenes kleines Pfarrarchiv geleistet, bestückt mit den Microfiches aus Regensburg und zwei Lesegeräten. Ein Novum im Landkreis. „Hahnbach ist die erste und bislang einzige Pfarrei, die so ein Archiv eingerichtet hat. Sich die Microfiches zu beschaffen ist recht einfach. Dazu braucht es bloß einen Brief vom Pfarrer. Aber bis jetzt hat sich noch keine Pfarrei daran gemacht, dass sich die Leute die Microfiches dann auch anschauen können“, erklärt Heimatpfleger Graf.

Das Hahnbacher Pfarrarchiv ist seit dem 16.11.2016 für jeden Interessenten geöffnet. Die Tauf-, Heirats- und Sterbebücher aus rund 450 Jahren und zwei Lesegeräte stehen im Klosternebengebäude bereit. Jetzt fehlen nur noch die Forscher.

Auf zahlreiche Besucher hofft auch Hahnbachs Bürgermeister Bernhard Lindner, der das Projekt finanziell unterstützt hat. „Es wäre eine schöne Bestätigung, dass sich der Kauf der Fiches gelohnt hat.“

Auch Pfarrer Dr. Christian Schulz war sehr angetan von der neuen Möglichkeit und ließ sich von Heimat- und Familienforscher Andreas Sichelstiel und Ortsheimatpfleger Ludwig Graf, die sich künftig um das kleine Pfarrarchiv kümmern werden, auch gleich einen Taufeintrag im neu eingerichteten Archiv zeigen.

So wie Lindner und Schulz hat ab sofort jeder die Möglichkeit, in den Kirchenbüchern zu stöbern und sich von Andreas Sichelstiel oder Ludwig Graf in die Geheimnisse der Familienforschung einweihen zu lassen. Wer seine Hahnbacher Vorfahren sucht, ist hier an der richtigen Adresse. Von 1572 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sind alle Taufen, Eheschließungen und Beerdigungen dokumentiert. Aber nicht nur in nackten Zahlen.

Die Einträge enthalten oftmals interessante Zusätze wie „Wegen zu großer Kälte in Iber getauft“ oder Todesangaben wie „vom Blitz getroffen“. Zum Teil haben die Pfarrer sogar richtige Geschichten aufgeschrieben. Damit sind die Aufzeichnungen auch ein großes Stück Heimatgeschichte, betont Andreas Sichelstiel.

Anmeldung:

Das Pfarrarchiv ist nicht ständig besetzt. Jeder Besucher wird daher gebeten, einen Termin ausmachen.

Der Raum ist grundsätzlich während der Öffnungszeiten des Pfarrbüros zugänglich:

Montag, Mittwoch und Freitag von 8.30 - 11 Uhr sowie Mittwoch Nachmittag von 14.30 – 17.30 Uhr.

Kontakt: Hannelore Schuster, Tel: 09664 / 1700, E-Mail: hahnbach@bistum-regensburg.de


Hintergrund:

Jeder Pfarrer führt auch heute noch Kirchenbücher und dokumentiert (unter anderem) Taufen, Eheschließungen und Beerdigungen. Doch nicht jeder darf diese Einträge studieren, weil die Daten teilweise noch geschützt sind. Ein Sterbebuch darf z.B. erst 100 Jahre nach dem letzten Eintrag als ganzes Buch vorgelegt werden.

Grundsätzlich werden die älteren Kirchenbücher, die im Pfarramt nicht mehr benötigt werden, dem jeweiligen Bistumsarchiv übergeben.  Jede einzelne Kirchenbuchseite wird dann auf Microfilm oder sogar digital gesichert und benutzbar gemacht. Die Hahnbacher Bücher befinden sich demnach im Bischöflichen Zentralarchiv Regensburg und liegen auch dort als Microfiches vor.

Einige Bistümer (z. B. Passau) gehen sogar noch weiter und haben fast alle Kirchenbücher ihrer Pfarreien - unter Beachtung der Datenschutzfristen – digitalisiert und im Internet veröffentlicht. In Regensburg ist das jedoch auf absehbare Zeit nicht geplant.

So sieht einer der Microfiches aus, die Pfarrer Dr. Schulz mit Andreas Sichelstiel und Ludwig Graf besorgt hat.

Heimat- und Familienforscher Andreas Sichelstiel und Ortsheimatpfleger Ludwig Graf.

So sieht das Lesegerät im Hahnbacher Pfarrarchiv aus.

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